Sachbücher lesen: so merkst du dir die Inhalte leichter

Du schlägst dein Buch zu und bist inspiriert.

Du bist motiviert, die Ratschläge und Tipps umzusetzen.

Doch am nächsten Tag ist der Zauber verflogen.

Die Inspiration ist weg, genau wie die Ideen, die du während des Lesens hattest.

Ich kenne das.

Als ich anfing Sachbücher zu lesen, um vorwärts zu kommen, hatte ich Tage später den Großteil des gelesenen wieder vergessen.

Blöd.

Ich zweifelte an mir selber. War es wirklich so schwer, sich Sachen aus Büchern zu merken?

Der Fehler, den ich beim Lesen machte sah ich nicht gleich. Ich sah ihn erst, als ich mich mit Lesemethoden beschäftigte:

Ich habe Sachbücher wie Unterhaltungsliteratur gelesen.

Ein Sachbuch zu lesen erfordert eine andere Herangehensweise.

Sachbücher sind nicht vordergründig zur Unterhaltung geschrieben. Deshalb solltest du Sachbücher nicht wie Unterhaltungsliteratur lesen.

Wie du den größtmöglichen Nutzen aus Sachbüchern ziehen kannst und wie du dir die Inhalte besser merkst, darum geht es in diesen Artikel.

1. Bereite den Leseplatz vor

Mit einem geeigneten ruhigen Leseplatz fängt der Leseerfolg an.

Stell dir vor, du sitzt an einem mit Papier vermüllten Schreibtisch und wirst ständig gestört. Links grinst dich die längst fällige Steuererklärung an. Zu rechten die überquellende Ablage. In der Mitte liegt dein Buch neben dem Handy, auf den im Minutentakt Nachrichten lautstark eingehen.

Lässt es sich so lesen, dass du dir die Inhalte des Buches merkst und diese umsetzt? Sicher nicht.

Viele lesen auch in der Bahn oder dem Bus – auch ein denkbar schlechter Ort für Sachbücher. Notizen machen ist dort schwierig und Störungen sind an der Tagesordnung.

Der beste Platz für das nachhaltige Lesen ist ein aufgeräumter Schreibtisch mit Platz für deine Lese-Utensilien.

Zum Lesen benötigst du einige Hilfsmittel, wie Notizblock, Stift, Lineal und einen Textmarker. Auch einen Computer zum recherchieren im Internet wirst du brauchen. Lege dir alles nötige vorher zurecht. So musst du nicht unterbrechen, um fehlende Sachen zu holen.

Versuche Störungen zu vermeiden, indem du das Telefon ausschaltest. Sage deiner Familie bescheid, dass du nicht gestört werden willst.

2. Baue eine Beziehung zum Autor auf

Jetzt machst du dich mit dem Autor vertraut. Auch wenn dieser Schritt auf den ersten Blick ungewöhnlich klingt, ist er wichtig, um den Inhalt des Buches besser wahrzunehmen und sich einzuprägen.

Das Ziel dieses Schrittes ist eine persönliche Beziehung zum Autor aufzubauen und erste Fragen an das Buch vorzuformulieren.

Für diesen Schritt brauchst du ein Gerät, mit dem du ins Internet kommst, denn du recherchierst online über den Autor des Buches und hast im Hinterkopf folgende Fragen parat:

  • wie ist die Lebensgeschichte/Biografie des Autors?
  • Wann, wo und in welchen Familienverhältnissen wurde der Buchautor geboren?
  • welchen Bildungsstand hat er?
  • welche Bücher hat er außerdem noch geschrieben?
  • Wie kommt der Autor zu den Thesen oder Ratschlägen im Buch?
  • Was hat er vorzuweisen, dass er ein Fachbuch zum Thema veröffentlichen kann?
  • Wie spricht und bewegt sich der Autor? Diese Frage lässt sich natürlich nur beantworten, wenn es Film- und Tonaufnahmen des Autors gibt. Youtube ist wohl die beste Anlaufstelle für diesen Punkt.
  • Hat der Autor eine eigene Webseite oder ist bei Facebook, Twitter oder sonstwo?
  • Wie sprechen andere über ihn? Was sagen die Leser, was sagen die Medien? Google News ist neben der eigentlichen Suchmaschine Google.de sehr hilfreich. goodreads.com ist eine englischsprachige Community über Bücher, wo du auch einige Informationen über den Autor herbekommst.

Die Fragen zielen auf verschiedene Ebenen ab:

  1. Du lernst etwas über die Expertise des Autors. Hier ist die Frage „Wem vertraust du?“ entscheidend. Kann derjenige Ergebnisse vorweisen, die ein eigenes Buch rechtfertigen? Hat die Person wissenschaftlich über das Thema geforscht?
  2. Du baust eine persönliche Beziehung zum Autor auf. Wenn du die Hintergründe des Autors, der das Sachbuch geschrieben hat kennst, kannst du dich besser in das Buch hineinversetzen.
  3. Wenn du weißt, wie der Autor spricht und sich bewegt, kannst du dich beim Lesen besser in den Text hineinversetzen.

3. Setze dir ein Leseziel – Was erwartest du von dem Buch?

Du hast nun das Buch an deinem Leseplatz vor dir liegen. Nun solltest du dir klar werden, was du von dem Buch erwartest und welches Ziel du damit verfolgst. Dieser Schritt klingt banal, doch ist er entscheidend.

Natürlich haben wir alle Leseziele, wenn wir ein Buch in die Hand nehmen. Mit einem Anfänger-Kochbuch will man das Kochen lernen, das ist keine große Überraschung.

Durch das bewusstmachen des Leseziels hast du eine klare Mission im Hinterkopf und driftest nicht ins „Unterhaltungslesen“ ab.

4. Überfliege das Buch

Im vierten Schritt machst du dich mit dem Buch vertraut:

Welchen Titel hat das Buch?

Welches Kapitel oder welcher Abschnitt im Inhaltsverzeichnis macht dich besonders neugierig? Das Inhaltsverzeichnis sollte gelesen werden, um die Argumentation des Autoren nachvollziehen zu können und um sich einen Gesamtüberblick zu verschaffen. Vielleicht befindet sich die gesuchte Information viel weiter hinten im Buch?

Der Klappentext, die Einleitung, und das Literaturverzeichnis hinterlassen einen ersten Eindruck. Das Buch solltest du nun quer lesen.

5. Formuliere Fragen zum Buch

Um das Maximale aus dem Buch herauszuholen sind Fragen zum Text wichtig. Diese formulierst du schriftlich, bevor du das Buch liest.

Diese Fragestellungen fordern ein aktives Lesen heraus. Nicht nur zum ganzen Sachbuch, sondern zu jedem Kapitel solltest du Fragen formulieren.

12 Fragen, die du zu jedem Sachbuch stellen kannst:

  1. Erfüllt das Buch die Erwartungen und Anforderungen?
  2. Hält der Buchtitel, was er verspricht?
  3. Sind Behauptungen plausibel, werden diese bewiesen?
  4. Widerspricht sich der Autor?
  5. Wie wurde der Text geschrieben? – Eher nüchtern und sachlich oder doch mitreißend?
  6. Sind die Fragen, die der Autor im Buch stellt hinreichend beantwortet?
  7. Ist die Argumentation nachvollziehbar und überzeugt sie dich?
  8. Gibt es Augenöffner, die einen bekannten Sachverhalt plötzlich anders dastehen lassen?
  9. Auf welche Quellen beruft sich der Autor und sind diese vertrauenswürdig?
  10. Kennst du Quellen, die möglicherweise das Gegenteil aussagen?
  11. Gibt es konkrete Handlungsanweisungen oder kannst du welche aus dem Text ableiten?
  12. Was sind die Kerninformationen des Buches?

6. Lies das Buch und beantworte deine Fragen

Jetzt geht es ans Eingemachte!

Mit den Fragen im Gepäck liest du nun das Buch Seite für Seite.

Bei mir hat es sich bewährt, ein leeres Blatt neben dem Buch liegen zu haben, damit ich die gestellten Fragen auf dem Zettel beantworten kann. Zusätzlich schreibe ich mir besonders wertvolle Informationen nochmal wortwörtlich auf das Blatt.

7. Wiederhole das gelesene

Alle ein bis zwei Seiten wiederholst du das Gelesene gedanklich. Mit eigenen Worten solltest du den Inhalt wiedergegeben können. Auch hier ist der Sinn dahinter das aktive Lesen.

8. Kritisiere

Nachdem du das Buch gelesen hast, kritisierst du es nun. Die 12 Fragen vom 5. Punkt beantwortest du jetzt am besten schriftlich.

9. Erstelle eine Handlungsanweisung

Viele Bücher verschwinden nach dem Lesen wieder im Regal, ohne dass der Leser etwas davon umsetzt. Deshalb solltest du eine Handlungsanweisung für dich formulieren.

Was willst du konkret umsetzen?

Was willst du zukünftig ändern?

Fazit

ein Sachbuch zu lesen erfordert eine gänzlich andere Herangehensweise, als bei Unterhaltungsliteratur. Wenn du die 9 Schritte anwendest zahlt sich deine Investierte Zeit mehrfach wieder aus.

Ein Gedanke zu „Sachbücher lesen: so merkst du dir die Inhalte leichter“

  1. Hi Jan,
    Ich bin eine Art Sachbuch-Junkie. Vielen Dank fur Deine Ideen zu einem nachhaltigerem Umgang. Die Fragen vorab stellen gefällt mir besonders gut. Ich habe mittlerweile zumindest einen Ordner, wo ich alle meine Notizen ablege. Mein Autodidaktikordener 😊
    Liebe Grüße,
    Sonja 

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